Schneewittchen



Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz

Nutzung und Schutz


Gute Voraussetzung für gesunde Bäume und Früchte sind offene Kronen, da Licht, Luft und Sonne zum schnellen Abtrocknen von Laub und Rinde führen. In solchen Kronen fühlen sich Schaderreger nicht wohl. Sollten doch Pflanzenkrankheiten auftreten, so kann mit biotechnischen Maßnahmen oder  biologischen Pflanzenschutzmitteln viel erreicht werden. Im Folgenden werden einige Schädlinge und die Bekämpfungsmöglichkeiten näher beschrieben.

Apfelwickler = Obstmade


Der Apfelwickler verursacht den wurmigen Apfel. Die Raupe überwintert in einem zähen Gespinst unter den Borkenschuppen. Hier kann schon im Winter bis spätestens April durch Stammpflege einiges bewirkt werden. Ende April kommt es zur Verpuppung, die Falter der ersten Generation fliegen ab Mitte Mai bei milden Temperaturen in der Dämmerung und beginnen mit der Eiablage etwa Anfang Juni. Diese dauert ca. 3 Wochen und ist stark temperaturabhängig. Die Eier werden auf die jungen Früchte gelegt. Sie sind ca. 1,3 mm groß und oval. Nach 8-14 Tagen schlüpfen die Räupchen und bohren sich in den Apfel. Wichtig ist jetzt schon, die Bäume zu schütteln und die befallenen Früchte abzusammeln. Nach etwa vierwöchigem Fraß verlässt die erwachsene Raupe im Juli den beschädigten Apfel und sucht sich Verstecke unter der Rinde. Deshalb sollten ab Ende Juni an die Stämme ca. 10 cm breite Wellpappe-Fanggürtel angelegt werden und öfters auf versteckte Larven untersucht werden. In warmen Jahren ist die Ausbildung einer zweiten Generation von Apfelwicklern möglich. Die Räupchen schädigen die fast reifen Früchte. Eine direkte Bekämpfung ist nur während der Zeit möglich, wenn das Räupchen aus dem Ei geschlüpft ist, aber sich noch nicht in den Apfel eingebohrt hat. Hier ist eine genaue Kontrolle unerlässlich. Je nach Zulassung ist die Anwendung eines Granulose-Virus-Präparat, z. B. Granupom oder Madex 3 möglich. Die Jungraupe nimmt den Virus auf und stirbt ab. In jüngeren Anlagen ist auch die Ausbringung von Schlupfwespen sinnvoll. Diese werden als von Schlupfwespen parasierte Mehlmotteneier vertrieben und sollten bei Beginn der Eiablage Ende Mai/Anfang Juni ausgebracht werden.

Kleiner Frostspanner


Ein weiterer bekannter Kandidat im Kern- und Steinobst ist der kleine Frostspanner. Die flugunfähigen Weibchen kriechen am Stamm hoch und legen dort in Rindenritzen und auf den Zweigspitzen rote Eier ab. Hier erfolgt bereits die erste Bekämpfung ab Anfang Oktober. Um die Weibchen am Hochkriechen zu hindern, wird am Stamm ein Leimring angebracht. Er muss dicht anliegen und die Klebekraft muss bis etwa 3 Wochen nach Austrieb vorhanden sein. So wird die Eiablage am Stamm und in den Zweigen verhindert. Möglich ist auch das Anbringen eines mechanischen Franz-Ringes. Bei diesem Schädling ist bei starkem Befall auch der Einsatz von Bacillus-thuringiensis-Präparaten direkt auf die Raupen Mitte April bis Ende Mai zur Verhinderung von Kahlfraß möglich (je nach Zulassung), sowie Präparate aus einem Pflanzenextrakt des tropischen Neembaumes.


Blattläuse


Hier treten im Kernobstbau drei Arten in Erscheinung: Die Mehlige Apfelblattlaus, die Mehlige Birnenblattlaus und die grüne Apfelblattlaus, die überwiegend an jungen Bäumen auftritt.

Wichtig bei allen drei Arten ist, dass das Aufwandern von Ameisen am Stamm verhindert wird. Dazu werden bereits im März/April Leimringe angelegt. Die Mehlige Apfelblattlaus hat außerdem einen so genannten Sommerwirt, auf den die geflügelten Exemplare im Mai/Juni übersiedeln. Dies ist der Wegerich, den es somit auch zu bekämpfen gilt. Im Herbst kehren die Läuse dann wieder vom Wegerich zum Apfelbaum zurück, wo sie ihre Eier ablegen.

Ähnlich ist es mit der Mehligen Birnenblattlaus, deren Sommerwirt das Labkraut ist.

Zur Bekämpfung von Blattläusen treten eine Reihe von Nützlingen in Erscheinung, allen voran die Larve des Marienkäfers, die unermüdlich Blattläuse vertilgt. Die Ansiedlung des Marienkäfers kann durch Holzstapel, Laub, Reisig- oder Steinhaufen gefördert werden.

Ein weiterer Nützling ist die Florfliege, deren Larven sich hauptsächlich von Blattläusen, aber auch von Spinnmilben und Thripsen ernähren. Sie können von Zuchtstationen bezogen werden. Zur Förderung und Überwinterung können mit Weizenstroh gefüllte Holzkästchen auf ca. 1,50 m hohe Pfähle angebracht oder entgegen der Hautpwindrichtung aufgehängt werden. Auch die Larven der Schwebfliege, die Bienen oder Wespen sehr ähnlich sind. Man erkennt sie an ihrem Flugverhalten: Durch rasche Flügelbewegungen scheinen in der Luft auf der Stelle zu stehen, können dann aber blitzschnell im Zick-Zack-Flug den Standort wechseln.

Sollten trotz allem Nützlingseinsatz die Läuse überhand nehmen, kann mit Kali-Seifen- oder Rapsöl-Produkten direkt bekämpft werden, möglichst aber frühzeitig, wenn die Blätter noch nicht eingerollt sind. Die Blattläuse müssen bei diesen Produkten direkt benetzt werden.

Blattläuse sollten vor allem an Jungbäumen bekämpft werden, da deren Saugen zu Verkrüppelungen an den jungen Ästen führen kann und so die Erziehung eines stabilen Astgerüsts erschwert wird.


Pilzkrankheiten

Schorf


Schorf ist eine sehr häufig auftretende Pilzkrankheit an Kernobst. Kurz die Entwicklung:

Der Pilz überwintert auf dem Falllaub. Dieses sollte so weit als möglich entfernt werden. Im März bilden sich dort Pilzsporen, die bei feucht-warmem Wetter die jungen Blätter infizieren. Während der Blüte entstehen die ersten braun-grünen Schorfflecken auf den Blättern. Die sich entwickelnden Sommerpilzsporen gehen auf Blätter und junge Früchte über. Die Infektion dauert praktisch die ganze Saison lang, insbesondere bei feuchter Witterung. Bei starkem Befall weisen die Früchte verkorkte Risse auf und sind deformiert. Zur Bekämpfung bietet sich als erstes die oben erwähnte Falllaubbeiseitigung an, als zweites sollte durch einen regelmäßigen Rückschnitt im Winter für lichte Kronen, die schnell abtrocknen, gesorgt werden. Als dritte Möglichkeit kann bei Neupflanzungen auf schorfrestistente Sorten zurückgegriffen werden.


Monilia- Spitzendürre und Fruchtfäule


Der Pilz dringt ebenfalls über die Blüte bei feuchter Witterung in die Pflanze ein und die Triebspitzen sterben ab. Sie tritt normalerweise verstärkt an Sauer- oder Süßkirschen auf. Die Bekämpfung erfolgt, sofern es der Baum erträgt, durch einen frühzeitigen Rückschnitt ins gesunde Holz. Außerdem sollten alle befallenen Blätter, Triebe und Fruchtmumien abgesammelt werden.


Birnengitterrost


Anfänglich gelbe, später leuchtend rote Flecken auf Birnenblättern sind wohl landläufig bekannt. Wichtig ist, dass der Pilz  im Frühjahr von seinem Winterwirt, verschiedenen Wacholderarten (Juniperus sabinae, Juniperus chinensis Pfitzeriana) auf die Birnenblätter übergeht. Es sollten sich also keine Wirtspflanzen in unmittelbarer Umgebung von Birnenbäumen befinden. Bei einem Befall von weniger als 5 Flecken pro Blatt ist keine Bekämpfung nötig. Bei jüngeren Bäumen kann zur Vorbeugung vor Blattschädigung das Pflanzenstärkungsmittel Neudo- Vital angewandt werden.

Apfelmehltau


Auch hier werden die Triebspitzen befallen und mit einem weißen, mehlartigen Belag überzogen. Es empfiehlt sich ein möglichst früher Rückschnitt ins gesunde Holz bereits während des Austriebes und auch beim Winterschnitt. Möglich ist die Behandlung wiederum von jungen Bäumen mit Mehltau-Präparaten auf Lecithin-Basis (Bio-Blatt Mehltaumittel). Auch hier sollten bei Neupflanzungen verstärkt resistente Sorten verwendet werden.

Feuerbrand


Befallen werden die apfelfrüchtigen Rosengewächse wie Äpfel, Birnen, Quitten sowie Ziergehölze z.B. Cotoneaster (Felsenmispel), Feuerdorn, Rot- und Weißdorn. Die Krankheit wird durch Regentropfen, Wind sowie saugende und blütenbesuchende Insekten übertragen. Sie dringt meist über die Blüte in die Pflanze ein. Die Triebe welken, verfärben sich braun und anschließend schwarz.

Oft krümmen sich die Triebspitzen krückstockartig und es können gelb-braun gefärbte, klebrige Schleimtröpfchen austreten. Bekämpft werden kann der Feuerbrand im Streuobstbau nur durch Rückschnitt 30 cm ins gesunde Holz möglichst bei der ersten Beobachtung der Infektion, die aber  

durch die Untersuchung an der Landesanstalt für Pflanzenschutz nachgewiesen sein sollte. Das Schnittgut muss anschließend verbrannt oder über den normalen Hausmüll entsorgt werden. Nicht vergessen werden darf die gründliche Desinfektion aller benutzten Werkzeuge. Wichtig ist auch, die erwähnten Ziergehölze nicht in der Nähe von Obstanlagen anzupflanzen.

Auch andere Krankheiten wie Pseudomonas (Bakterienbrand), Monilia oder die Birnentriebwespe können ähnliche Symptome hervorrufen.

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